E-Paper - 28. Januar 2015
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«Familien leiden oft»

INTERVIEW Martina Helfenstein weiss: Auch hier geht es nicht allen gut

Im Namen der katholischen Pfarrämter im Kanton Zug war Martina Helfenstein an der Spendenaktion «Zuger helfen Zugern» beteiligt.

Am 20. Januar 2015 wurde bei «GGZ@Work» der erste Teil der gesammelten Hilfsgüter verteilt. Zusammen mit Yolanda Fässler und Sarah Honegger von «GGZ@Work», Thomas Bär und Rolf Berweger von der reformierten Kirche Zug und Vertretern der Zuger Woche half Martina Helfenstein dabei, die selbstgenähten, farbenfrohen und gut gefüllten Stofftaschen an bedürftige Zuger zu verteilen. Wie sie die Aktion erlebt hat und warum Armut auch im Kanton Zug ein Thema ist, lesen Sie hier.

Interview von Lilian Fritze/DK

Martina Helfenstein, wie hast du die Menschen erlebt, die vor Ort ihre Spenden für die Weihnachtsaktion abgegeben haben?

Die Lebensmittel konnten bei uns wie auch auf allen anderen Pfarrämtern abgegeben werden. Viele Baarer haben grosse Taschen voller Waren gebracht und oft entstand am Tresen eine Diskussion über die Armut hier in der Schweiz.

Was war an der letztjährigen Aktion dein persönliches Highlight?

Fast unglaublich hört sich für mich die Menge der gesammelten Lebensmittel an: 5,228 Tonnen! Für die grosse Solidarität möchte ich mich an dieser Stelle auch im Namen der ganzen Projektgruppe- bei der Zuger Bevölkerung herzlich bedanken.

Du warst am ersten «Verteil-Tag» der gesammelten Güter dabei. - Was war das für ein Gefühl?

Ich habe mich zusammen mit den Menschen, welche die gesammelten Lebensmittel erhielten, sehr gefreut. Jede Person erhielt zusätzlich eine Stofftasche mit Lebensmitteln und oft waren die Menschen erst fast ein wenig über das Gewicht der Tasche erschrocken. Dann aber haben sie sich gefreut und waren sehr dankbar!

Als Sozialarbeiterin kennst du die Nöte verschiedener Menschen. - Wo liegen deiner Ansicht nach die Probleme in der Schweiz und im Speziellen auch im Kanton Zug?

Im Kanton Zug gibt es relativ wenig günstige Wohnungen. Dies ist besonders für Familien oft ein grosses Problem. Zudem gibt es immer mehr «working poors» also Menschen, die trotz einer Arbeitsstelle zu wenig für den allgemeinen Lebensbedarf verdienen.

Glaubst du, der Kanton Zug setzt sich genug für jene Bewohner ein, die von Armut betroffen sind?

In der Schweiz haben wir ein gut ausgebautes Sozialnetz. Verschiedene Sozialversicherungen und die wirtschaftliche Sozialhilfe als Auffangnetz unterstützen Menschen, die in eine Notlage geraten. Zudem kümmern sich Institutionen wie die Caritas oder eben auch die Kirchen um soziale Notlagen. Dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen Menschen zwischen die Maschen des Netzes fallen. Manchmal wünschte ich mir auch, dass die einzelnen Gesetze ein wenig mehr Handlungsspielraum für individuelle Lösungen zulassen würden.

Ist es in der heutigen Welt überhaupt noch möglich, eine soziale Gerechtigkeit herzustellen?

Ich glaube daran, dass es eine gerechte Welt geben kann. Deshalb lohnt es sich für mich, dafür einzustehen und mich zu engagieren.

Martina Helfenstein, vielen Dank für das Interview.

redaktion@zugerwoche.ch

Zuger Woche vom Mittwoch, 28. Januar 2015, Seite 3 (101 Views)

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