E-Paper - 25. Februar 2015
Zuger Woche
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Pfeifen in der Ägerihalle

UNTERÄGERI «Ultraschall-Kanone» noch immer in Betrieb

Am 14. November 2012 berichtete die Zuger Woche erstmals über die «Ultraschallkanone» bei der Ägerihalle. Das Thema ist noch immer aktuell.

Von L. Fritze/D.Kammüller

Laute, pöbelnde und Dreck hinterlassende Jugendliche - so beschrieb René Ulrich, damaliger Liegenschaftsverwalter und Leiter des Hausdienstes der Gemeinde Unterägeri, das Teenager-Völkchen, das im Treppenhaus der Ägerihalle anscheinend regelmässig kleine Privatpartys feierte. Um sich gegen die unverschämten «Störenfriede» zu wehren installierte die Gemeinde an besagtem Ort eine «Ultraschallkanone». Dabei handelt es sich um ein Gerät, das bei Betrieb einen leicht pulsierenden Ton im Hochfrequenzbereich zwischen 16 und 19 Kilohertz abgibt. Dabei wird ein Schalldruckpegel von bis zu 140 Dezibel erreicht. Dieser Ton ist zwar nervig, sei aber nur von Jugendlichen bis 25 Jahre wahrnehmbar und sonst eigentlich unproblematisch. Wir hörten Anderes.

Nicht ganz ungefährlich

2012 gab Réne Ulrich an, die Situation habe sich vor Ort seit der Installation beträchtlich verbessert. Schön für die Gemeinde. Doch das Gerät hat auch Schwächen, zumal sowohl Kleinkinder als auch Tiere und stellenweise über 25-Jährige den Ton wahrnehmbar können. Gehörschäden sind also nicht auszuschliessen. Spezialisten warnen gar vor solchen Geräten. Ein Hörsturz oder auch Tinnitus (Pfeifen im Ohr) können nach einer längeren Beschallung der Ohren durch solche Ultraschallkanonen auftreten. Am meisten leiden Kinder, Jugendliche und Tiere.

Letzter Stand

Die «Mosquito Ultraschall-Kanone», wie sie korrekt heisst, ist also nach wie vor in Betrieb. Der Zuger Woche liegen Aussagen vor, denen zu entnehmen ist, dass das Gerät immer wieder Probleme verursacht. Hunde, die ausflippen, Säuglinge, die schreien, Kinder und Jugendliche, die über Ohrenschmerzen klagen und, dass selbst Erwachsene das Pfeifen wahrnehmen. Wie war das noch mal von wegen Hochfrequenzton nur für Jugendliche?

Gemeinde ahnungslos?

Um zu erfahren, in welcher Form das Gerät heute noch angewendet wird, baten wir die Gemeinde um eine Stellungnahme. Der zuständige Beamte (Abteilung Hochbauten der Gemeinde Unterägeri) Toni Henggeler, erklärte uns, er sei über die aktuelle Lage nicht informiert und könne unsere drei Fragen aus zeitlichen Gründen nicht beantworten (Donnerstag, 19.2.), da er am Wochenende nicht arbeite. (Anmerkung der Red: Da wundern sie sich dann wieder, woher all die Beamtenwitze kommen). Am Schluss meinte er dann noch mit einem sehr impertinenten Unterton: «Die Zuger Woche wird sicher auch ohne diese Informationen erscheinen (?).» Das wird sie bestimmt! Aber Henggelers Chef, Gemeindepräsident Josef Ribary, war über die Aussagen seines Mitarbeiters nicht sehr erfreut, beantwortete unserer Fragen dann aber anstandslos.

Interview Josef Ribary

Wir wollten von der Gemeinde Unterägeri wissen, warum dieses Gerät nach wie vor in > Seite 3 Betrieb ist und ob man sich bewusst sei, dass solche Geräte unter Umständen auch gesundheitsschädigend sein können. Gemeindepräsident Josef Ribary: «Für uns ist dieses Gerät nach wie vor sinnvoll, da wir seit dessen Einsatz keine Reklamationen mehr zu verzeichnen haben und auch keine Gruppenansammlungen mit Vandalismus und Litteringproblemen mehr vorgekommen sind.» ZW: Aber der Ton ist für junge Menschen, Kleinkinder und Tiere sehr unangenehm und kann sogar zu Gehörschäden oder bei Tieren zu abnormen Verhalten führen. Kann die Gemeinde das verantworten? Ribary: «Dies kann die Gemeinde verantworten, wir bewegen uns im legalen, zulässigen Bereich.» ZW: Uns liegen Aussagen vor, dass auch bis zu 30-Jährige diesen Ton hören können. Wurde die Frequenz etwa verstärkt? Ribary: «Die Einstellung wurde nicht verändert; sie hält sich seit dem Anfang des Einsatzes auf dem gleichen Level.» ZW: Gibt es für die Gemeinde Unterägeri keine Alternativen? Ribary: «Nein für uns gibt es keine Alternative, da mit wenig Aufwand sehr viel Effizienz erzielt werden konnte.»

Fazit

Über Sinn und Zweck solcher Geräte lässt sich streiten. Auf der einen Seite stehen die Betreiber, die damit für Ruhe und Ordnung sorgen wollen, was ein Stück weit zu ihren Aufgaben zählt. Auf der anderen Seite stehen unsere Kinder und Jugendlichen, die sich fragen, warum man sie im Dorf nicht haben will? Eine Zwickmühle? Je nach Betrachtung. Es könnte aber auch sein, dass Teile unserer Gesellschaft vor lauter Bäumen stellenweise den Wald nicht mehr sehen. Kinder, als auch Tiere gehören zu unserem Leben. Es liegt an uns, unsere Kinder so zu erziehen, dass sie wissen, wie man sich im öffentlichen Raum, sprich im Treppenhaus der Ägerihalle verhält: Nicht zu laut, kein fremdes Eigentum zerstören und am Ende den Abfall wieder mitnehmen. Ist das zu viel verlangt? Und wenn dann halt mal eine Chipstüte oder Getränkedose liegenbleibt, heben wir, sprich der Abwart oder wer auch immer, sie eben auf. Auch Vögel scheissen uns hin und wieder aufs Dach und Katzen in fremde Gärten. Doch ist das ein Grund, um mit Kanonen auf Spatzen, beziehungsweise Kinder und Katzen zu schiessen?

Hinweise

Für Hinweise aus der Bevölkerung zu Ereignissen, die sich in einer der elf Zuger Gemeinden zutragen, sind wir sehr dankbar. redaktion@zugerwoche.ch. 041 769 70 40

Zuger Woche vom Mittwoch, 25. Februar 2015, Seite 1 (115 Views)

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