E-Paper - 25. März 2015
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Kantonsnarren für Zug

GEMEINDEN In Hünenberg hat sich der Dorfnarr verabschiedet - Schade eigentlich

Zwei Jahre währte das Experiment des Hünenberger Dorfnarren. Aufgrund fehlender Reaktionen wurde das Projekt nun aber beendet.

Von Lilian Fritze

Ein Dorfnarr, hinter dem anonyme Autoren stehen. Ein Dorfnarr, der sich den Mund nicht verbieten lässt, der Missstände beim Namen nennt, sie anprangert und Fragen stellt. Genau diese Idee stiess bei der Zukunftskonferenz 2012 auf ein grosses Echo seitens der Hünenberger Bevölkerung. Die zweijährige Versuchsphase ist nun vorbei, und wie es scheint, konnte sich der Dorfnarr nicht behaupten.

Was lief falsch?

Eine unabhängige Stimme, die auch kritisieren darf - Im Hünenberger Gemeindemagazin «Einblick» sollte der Dorfnarr genau diese Rolle übernehmen. In jeder Ausgabe stand den anonymen Autoren eine Seite zur Verfügung, und damit der Kontakt mit dem Dorfnarren möglichst einfach hergestellt werden konnte, wurden ein Briefkasten aufgestellt, eine E-Mail-Adresse eingerichtet und ein Facebook-Konto eröffnet. Wie sich bald herausstellte, war die anfangs interessierte Bevölkerung dann aber doch nicht an einem aktiven Dialog interessiert. Auf seine Beiträge erhielt der Dorfnarr praktische keine Reaktionen oder Rückmeldungen. Nachvollziehbar, dass dieser Umstand die anonymen Schreiber frustrierte und das Experiment beendet wurde.

Die Rolle des Dorfnarren

Die Idee des Dorfnarren hat ihren Ursprung beim mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hofnarren. Wie man in verschiedenen Quellen nachlesen kann, fanden sich Hofnarren sowohl im ritterlichen Gesinde als auch an Fürstenhöfen. Für Hofnarren galt Narrenfreiheit. Diese ermöglichte es ihnen, ungestraft Kritik an Verhältnissen und Herrschern zu üben. Das Hofnarrentum war eine Institution mit gesonderter Stellung. Die nicht-vorhandene Bindung an übliche > Seite 3 Gesellschaftsnormen ermöglichte es den Narren alles zu sagen, weil das Gesagte im Härtefall als «Narrheit» abgetan und nicht ernst genommen werden musste.

Eine gute Idee

Läuft heute weniger schief als vor einigen hundert Jahren? Wohl kaum. Zwar gibt es immer und überall «unbequeme» Individuen, die offenlegen, schimpfen und kritisieren, einen Dorf- oder gar Kantonsnarren gibt es aber nicht mehr. Obwohl das Beispiel Hünenberg gezeigt hat, dass die Rolle des Dorfnarren scheinbar nicht allzu gefragt ist, fällt es uns schwer zu glaube, dass kein Dorfnarren-Bedarf bestehen soll.

Zug braucht mehr Narren

Politiker, die nicht das machen, wofür wir sie gewählt haben, sinnlose Projekte, die umgesetzt werden, sinnvolle, die abgebrochen oder gar nicht erst angegangen werden, ... Beinahe täglich stossen wir auf Dinge, die uns ärgern, die anders laufen sollten, die kritisiert werden müssten. Vielen von uns vergeht die Unzufriedenheit dann aber schnell wieder, wenn wir daran denken, wie viel Energie und Nerven es uns kosten würde, zu protestieren. Wäre es da nicht eine Bereicherung, man hätte Dorf- und Stadtnarren, die die Dinge beim Namen nennen, die sich keine Sorgen um Ruf und Status zu machen brauchen, wenn sie «hohen Tieren» die Leviten lesen?

Ihre Meinung ist gefragt!

Was halten Sie von der Idee? Braucht Zug «Hofnarren»? Natürlich kann es nicht der Sinn der Sache sein, jedem nach Lust und Laune, im schlimmsten Falle grundlos, Hasstiraden an den Kopf zu werfen, aber hin und wieder gewisse Missstände klar beim Namen zu nennen, kann nicht schaden. Gibt es in Ihrer Gemeinde Dinge, die schief laufen und denen sich einmal ein «Dorfnarr» annehmen sollte? Machen Sie sich zum Narren und schildern Sie uns, was Ihnen schon lange ein Dorn im Auge ist. Halten Sie sich dabei an die gängigen Regeln des Anstands, bleiben Sie sachlich, und die Zuger Woche wird dem Angeprangerten auf den Zahn fühlen (und dabei natürlich Ihre Anonymität wahren). Haben Sie schon lange auf eine solche Möglichkeit gewartet, dann melden Sie sich noch heute bei redaktion@zugerwoche.ch. Wir sind gespannt, was Sie uns mitzuteilen haben und freuen uns auf zahlreiche, spannende Einsendungen.

Zuger Woche vom Mittwoch, 25. März 2015, Seite 1 (109 Views)

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