E-Paper - 08. April 2015
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Geschichte Ägeriseefischerei Teil 2

ÄGERITAL Wie war das wirklich mit der Fischerei?

In der Ausgabe vom 4. Februar 2015 berichtete die Zuger Woche unter dem Titel «Krieg um Petris Heil» über die aktuelle Situation bezüglich des Fischereirechtes auf und am Ägerisee und dem Streit, der dort derzeit zwischen den Gemeinden und Privateigentümern vorherrschte.

DK - Die Story der Zuger Woche über den «Fischereistreit» (Patentvergabe Pachtverträge, Grundbuchbereinigungen etc.) im Ägerital führte zu etlichen Diskussionen. Dies führte mitunter dazu, dass sich der Präsident des Fischereivereins Ägerisee, Andreas Gisiger und sein Freund Karl Roth die Mühe machten, die Geschichte der Fischerei am und auf dem Ägerisee aufzuarbeiten. Am 18. Februar publizierte die Zuger Woche den ersten Teil dieser Geschichte. Heute präsentieren wir Ihnen den zweiten Teil. Viel Vergnügen beim Lesen.

1862

Nach Auseinandersetzungen betreffend Angelfischens in der Fischenzengerechtigkeit, entstand 1862 zwischen der Gemeinde Oberägeri und der Familie Merz Eierhals eine gütliche Vereinbarung. Es wurde vereinigt, dass niemand das Recht hat, in den Enzen zu «schleipfen», zu schrauben oder Schnüre zu setzen. Dagegen hat jeder Bürger das Recht zum Fischen, sei es vom Ufer aus oder auf dem See in benannter Fischenzen. Für diese Begünstigung verpflichtet sich Merz vom Eierhals, der politischen Gemeinde Oberägeri 1000 Franken zu zahlen. In diesen Dokumenten wurde niemals über den offenen See geschrieben, somit handelte es sich lediglich um dessen Uferfischenzen.

Verbrieftes Recht

Bereits im Marchbrief des Soods im Jahre 1575 geht eindeutig hervor, dass der See Gemeindegut der beiden Gemeinden sei, und niemand anders darüber verfügen kann. Dies wurde mit aller wünschbaren Deutlichkeit» den See miteinander haben und nutzen sollen», ausgesprochen. Diese Vereinbarung über das Verbleiben des Sees unter der ungeteilten Herrschaft beider Gemeinden wurde später verschiedentlich bestätigt, so die Urkunde vom Jahre 1733.

1861 bis 1878

Es fehlte an einer Grenzenbeschreibung im Abruf vom 4. September 1861 und den Abrufen von 1870 und 1878. Erst im Fischereiverbot vom 3. Juni 1885 werden die Grenzen folgender Masse angegeben. Vom Mitteldorfbach in Oberägeri über die Mitte den See gegen den grossen Stein am Seeufer sogenannten Staudenberg gelegen, oberhalb des Sees im vollen Umfang. Die Uferfischenzen wurden seit eh und je auf Furren und Gafferen belegt. Durch diese Karte wurden stillschweigend die Uferenzen auf den ganzen oberen offenen See übertragen. Auch das Privateigentum am See war damit ein öffentliches Recht. Die Ersitzung des offenen Sees und dessen hauptsächlichsten Nutzen, die Fischerei unter Ausschluss Dritter, war daher auch früher ausgeschlossen.

1888 und 1908

Die Verfügungsberechtigung über die Fischereirechte wurde durch die Korporation Unterägeri 1888, und die Korporation Oberägeri 1908 an die jeweiligen Einwohnergemeinden abgetreten.

Gerichtsverhandlung 1928

1928 kam es zu den zwei bisher grössten Gerichtsverhandlungen, wobei unter anderem zu lesen ist: «Die Richter handelten ausser seinen Kompetenzen». Weiter ist die Rede, Rechte erschlichen zu haben. Jedenfalls wurden die Urteile jeweils zum Recht der Einwohnergemeinden und zu Ungunsten der Familie Merz vom Eierhals gefällt und wiederum bestätigt. Eine lückenlose Uferfischenz, gemäss heutiger Situation konnte schon damals nicht belegt werden.

Vertrag von 1956

Am 21. April 1956 wurde dann zwischen der Gemeinde Oberägeri und der Familie Merz Eierhals eine Vereinbarung betreffend Patentgebühren unterzeichnet.

2008

Nach neusten Kenntnissen wurde 2008 zwischen den Gemeinden Oberägeri und Unterägeri und dem Berufsfischer eine neue Vereinbarung erarbeitet und entworfen. Diese jedoch kam zum Glück nie zur Unterzeichnung. Auch diese Vereinbarung wurde ohne Einbezug der Angelfischer erarbeitet und hätte im Dilemma geendet. Ohne Wissen, dass in früherer Geschichte der Marktgenossenschaft die privaten Uferfischenzen auf Furren und Gafferen festgelegt wurden, wurde ohne Informationen die Weite auf 200 Meter festgelegt. Was wiederum zu einer kompletten Abriegelung sämtlicher Seebuchten geführt hätte.

November 2014

Im November hat nun Hanspeter Merz den Vertrag bei der Gemeinde Oberägeri, betreffend Patentgebühren von 1956 gekündigt. Seine Mehrforderungen von 60 000 Franken schlugen der Gemeinde Oberägeri doch etwas zu stark auf den Magen. Danach wurde der Patentverkauf bei beiden Gemeinden eingestellt. Der Angelfischer darf ohne Patent, unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen weiterhin bis Ende März den ganzen See befischen. Per 1. April 2015 kann man bei den Gemeinden Unter- und Oberägeri sowie bei der Familie Merz wieder Patente erwerben.

Verhandlungen gehen weiter

Gemäss aktuellen Informationen ist zurzeit wieder eine Arbeitsgruppe an der Arbeit, das seit Jahrhunderten dauernde Anliegen zu bereinigen. Bearbeitet werden die Enzengeschichte, Fischereirechte, Kostenaufteilung Jungfischaufzucht, sowie die Aufteilung der Patentgebühren.

Die Angelfischer fordern

Die Angelfischer aus dem Ägerital finanzieren zurzeit den grössten Anteil vom Jungfischbesatz mit den bezahlten Patentgebühren. Weiterhin ist der See ungeteiltes Gut und Recht beider Gemeinden. Somit sollten diese Verträge vor der Unterzeichnung auch offen gelegt werden und jeweils durch die Einwohner an den Gemeindeversammlungen bestätigt werden. Da der Fischerverein Ägerisee wiederum bei den neuesten Verhandlungen ausgeschlossen ist, bleibt uns nichts anders übrig, als zu warten, was abschliessend präsentiert wird. Der Verein erwartet von den beteiligten Parteien eine lückenlose Aufarbeitung der Enzenbereinigung. Anschliessend soll eine neue Verordnung über die Fischerei, unter Einbezug der geltenden Vorschriften vom Bund und Kanton, erstellt werden. Ob und bis wann sich eine Lösung abzeichnet, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Im Namen des Fischerverein Ägerisee: Andreas Gisiger, Präsident und Karl Roth, Vizepräsident.

Zuger Woche vom Mittwoch, 8. April 2015, Seite 19 (127 Views)

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