E-Paper - 14. Oktober 2015
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Zeitgeist

Von Laura Hürlimann

Kaffee zum Davonlaufen

Kürzlich durfte ich am eigenen Leib erfahren, wie grässlich ein Kaffee von einem berühmten Kaffeehaus schmecken kann. Es fing damit an, dass ich bei der Bestellung meines Wachmachers ohne Milch, ohne Zucker, ohne zusätzlichem Karamell oder sonst einem «Kaffeeentfremder» ziemlich schräg angeschaut wurde. Da eine Freundin und ich auf dem Weg zu einem Termin waren, nahmen wir den Kaffee «to go». - So wie es sich in einer «Grossstadt» gehört. To go finde ich übrigens eine wunderbare Erfindung, doch schnell wurde ich mit den Tücken des stylischen Schnabelbechers konfrontiert. Anfangs war ich fast ein wenig nervös, weil ich endlich wieder einmal mit so einem Pappbecher durch Zug laufen konnte. Tatsächlich dachten wir über ein Selfie nach. Doch im selben Moment fiel uns ein, wenn wir unseren Kaffee der ganzen Welt auf Instagram zeigen, fallen auch wir der Marketingstrategie des Kaffeehauses zum Opfer. Ohne Selfie ging es weiter mit dem Käffchen in der Hand in Richtung See. Nicht einmal auf halbem Weg fielen mir die Kaffeeflecken auf meinem Pullover auf. Ich wunderte mich, denn genau um dies zu verhindern, besitzt der Becher doch einen Deckel mit einer kleinen Öffnung, oder? Naja, ich entschied, einen grossen Schluck zu nehmen. Kaum setzte ich an, verbrannte ich mir den ganzen Mund! Es war unmöglich, den brühend heissen Kaffee zu trinken. Doch es ging noch weiter: Während ich versuchte, den Deckel vom Becher zu nehmen, schüttete ich mir die heisse Brühe über die Finger und sah, wie randvoll der Becher war. Eine Zumutung! Bis jetzt konnte ich noch keinen Schluck des Kaffees geniessen. Die Hälfte des koffeinhaltigen Getränks landete schliesslich im Gebüsch, bevor ich endlich einen vorsichtigen Schluck nehmen konnte. Ein grosser Fehler! Noch nie in meinem Leben wurde mir ein so ungeniessbarer Kaffee serviert. Eine «Brühe Deluxe», sozusagen. Ich erkundigte mich bei meiner Freundin, ob ihr Kaffee auch so schrecklich sei. Sie antwortete mir: «Du, ich habe mehr Milch als Kaffee, daher spielt es keine Rolle, wie gut der Kaffee ist.» Plötzlich war mir klar, weshalb mich die Verkäuferin im Kaffeehaus so entgeistert angestarrt hatte. Sie wusste, was mir erst klar werden musste: Dieser Kaffee ist ohne, Milch, Sahne, Karamell und Zucker einfach nicht trinkbar!

redaktion@zugerwoche.ch

Zuger Woche vom Mittwoch, 14. Oktober 2015, Seite 3 (51 Views)

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