E-Paper - 13. März 2019
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Das besondere Frühlingsgeschenk

Von Christian Iten

Diese kleine Frühlingsgeschichte handelt von einem armen Bauern, der einsam und verlassen im Bauernhof seines Vaters haust. Er fristet ein trauriges Dasein bis etwas wundervolles passiert...

Frühlingsgeschichte Eine weite Einöde, kein Pflänzchen weit und breit - Es war ein karges Land, in dem Holger, ein junger Farmer, lebte. Er hatte nicht viel zu Essen. Sein Erspartes reichte manchmal vielleicht für eine Scheibe Brot vom Bäcker, der bei seinem Hof vorbeikommt, um seine Ware zu verkaufen. Holger hatte den alten Bauernhof von seinem Vater übernommen. Doch sein Vater ist schon seit langem verstorben. Das einst so schöne Gemüsefeld war dürr. Die Sonne trocknete die Erde bis zum letzten Tropfen Wasser aus und überliess das Land seinem Elend.

Der alte Mann

Eines Morgens, Holger sass auf der alten Veranda, sah er einen älteren Herr mit einem weiten Sombrero am Wegesrand, den er tief in sein Gesicht gezogen hatte. Holger fragte ihn: «Wohin des Weges, guter Herr?». Der alte Mann murrte nur und meinte: «Ach, meine Füsse werden mir den Weg zeigen». Mit skeptischem Blick schaute Holger ihm nach und entschloss sich dazu, den armen Man zu einem Essen einzuladen. Holger war ein sehr liebevoller und gutmütiger Mensch und wollte es jedem Recht machen. Obwohl er nur eine Büchse Erbsen und eine Kanne Wasser bei sich zu Hause hatte, wollte er diese mit dem Unbekannten teilen.

Retter in der Not

Holger hatte Mühe, dem alten Mann zu folgen. Er war in zügigem Tempo unterwegs. Als er ihn eingeholt hatte, sank der Mann zu Boden und wimmerte vor sich hin. Holger half ihm auf, schleppte ihn mit Mühe und Not zu seinem Hof und bereitete in seiner Küche eine Erbsensuppe zu. Nach einer halben Stunde kam der alte Mann wieder zu sich und wunderte sich über den plötzlichen Szenenwechsel. Er war doch gerade eben des Sterbens nahe und nun sitzt er plötzlich an einem kleinen runden Tisch mit einem Glas Wasser in der Hand. Als Holger merkte, dass der alte Mann wach war stellte er ihm die warme Erbsensuppe hin. Man sah, wie sich die Miene des alten Mannes plötzlich erhellte, dann lächelte er und genoss die feine Suppe, die da vor ihm stand und die ihm ganz vorzüglich schmeckte.

«Danke vielmals, mein gütiger Freund», sagte der alte Mann, als er die Erbsensuppe verschlungen hatte. Dann stand er auf, nickte Holger anerkennend zu und machte sich wieder auf den Weg. Am späten Abend, er war sehr müde nach diesem anstrengenden Tag, legte Holger sich aufs Ohr und fiel in einen tiefen Schlaf.

Wundervolle Geschehnisse

Als er am nächsten Morgen aufwachte, hatte Holger grossen Hunger. Er schnellte in die Küche, um vielleicht noch etwas Brot zu finden, das er zu sich nehmen könnte. Leider war nichts mehr übrig. Da hörte er draussen ein entferntes Bimmeln. Es war der Bäcker, der seine Waren wie jeden Morgen um neun Uhr verkaufte. Holger nahm die Beine in die Hand und rannte aus dem Haus. «Guten Morgen Holger, du bist heute etwas spät dran», lachte der Bäcker. Holger entgegnete mit hechelnder Stimme: «Ja, tut mir leid. Ich hätte gern eine kleine Scheibe Brot für drei Pfennig. Ich habe nichts im Hause, das ich essen könnte». Der Bäcker schaute ihn zuerst verwundert an, dann begann er laut zu lachen. «Hahaha, guter Witz, mein Freund. Aber mir kannst du nichts verheimlichen. Ich weiss zwar nicht, wie du plötzlich dieses grosse Erntefeld mit Tomaten, Kartoffeln, Salaten und weiss Gott nicht alles bewirtschaften konntest, aber deine neuen Kühe und Pferde mit der Scheune, sowie das Wassersilo gefallen mir echt gut.» - «Wasser? Kühe? Erntefeld?», Holger war völlig perplex. Er drehte sich um und erblickte etwas, was er sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen konnte: Sein ganzer Hof hat sich verändert.

Die Offenbarung

Das verdorrte Feld war weg, auch die alte Fassade seines Hofes war komplett renoviert und neu gestrichen. Dazu kamen noch die Kühe und Pferde, die auf einer Graswiese standen und die Sonne genossen. «Das kann nicht wahr sein...», stotterte Holger und wollte sich das Wunder aus der Nähe betrachten. Gerade als er den Zaun, wo die Pferde und Kühe eingezäunt sind, überstieg, sah er einen weissen Zettel an der Scheune kleben. Darauf stand: «An den guten Freund, der meinen Hof nicht aufgegeben hat. Möge der Frühling bei dir Zuhause einkehren.» Holger konnte sein Glück nicht fassen. Aus dem Augenwinkel erblickte er in weiter Ferne den alten Mann, der ihm schelmisch zu winkte. Der Wind trug ein leises Flüstern an sein Ohr und wisperte einen Satz, den Holger nie wieder vergessen wird. Die Stimme sagte: «Danke, mein Sohn. Ich bin stolz auf dich».

Zuger Woche vom Mittwoch, 13. März 2019, Seite 20 (4 Views)

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