E-Paper - 24. April 2019
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Zeitgeist

Kontraproduktivität

Von Kristina Gysi

Tagtäglich erledigen sie einen Knochenjob, nehmen Überstunden hin (teilweise unbezahlt), tragen eine enorme psychische sowie physische Belastung und übernehmen immense Verantwortung: die Pflegekräfte.

Bei einer solch strapaziösen Tätigkeit in einem durch Personalmangel überlasteten Arbeitsumfeld müsste man eigentlich erwarten können, dass diese Menschen entsprechend entlöhnt werden doch Fehlanzeige. In den meisten Fällen verdienen Pflegefachkräfte unter dem Strich weniger als die meisten KV-Angestellten. Ist das fair?

Wann kam man zu dem Punkt, an dem man entschied, dass es gerechtfertigt sei, Angestellten der verschiedenen Wirtschaftszweige mehr Geld für ihre Arbeit zu geben, als Menschen, die für das leibliche Wohl anderer sorgen?

Das Gesundheitswesen spart. Und wie in nahezu jeder Branche beginnt man auch hier beim Personal. Doch ist dies nicht kontraproduktiv? Zu wenig Pflegepersonal auf zu viele Patienten kann Überlastung der Mitarbeiter herbeiführen, Arbeitsprozesse sowie die Arbeitsqualität einschränken und somit die Gesundheit von Patienten und von Arbeitskräften stark gefährden.

Ein weiterer irrationaler Spagat lässt sich intern des Gesundheitswesens beobachten. Der Lohnunterschied zwischen Ärzten und Pflegepersonal ist horrend. Natürlich gilt es, die Arbeitsleistung von Ärzten zu honorieren, unbestritten. Doch was wäre ein Arzt, wenn er den Patienten nach getaner Arbeit nicht in die kompetenten und sorgsamen Hände der Pflegerinnen übergeben könnte?

Das immer häufigere Abwenden von der Pflegebranche nach der Lehrzeit ist die Antwort auf eine zu tiefe Entschädigung für die grosse Belastung im Beruf. Personalmangel und eine erhebliche Arbeitsbelastung sind die Konsequenzen davon. Qualitätsmangel und gravierende Fehler können die Folgen sein. Wäre es also nicht sinnvoll den Pflegeberuf mit höheren Löhnen attraktiver zu gestalten? Schliesslich sind wir alle froh, im Ernstfall in kompetente, nicht überlastete Hände gegeben werden zu können.

redaktion@zugerwoche.ch

Zuger Woche vom Mittwoch, 24. April 2019, Seite 3 (25 Views)

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