E-Paper - 01. Mai 2019
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Schwebend leichte Keramik

Die Kunsthalle Bern ist Schauplatz einer spektakulären Installation: Die temporäre Bar Module #5 des international bekannten Künstlerpaars Sabina Lang und Daniel Baumann schwebt über dem Abgrund, ein Baum durchdringt sie. Der Blickfang ist mit schwarz-weissen Keramikplatten ausgekleidet. Ausgeführt wurde die Arbeit von der Firma Blatter AG, Bern.

Kunst Keramik gehörte schon immer zur 1918 eröffneten Kunsthalle Bern. So zierte bis etwa 1980 ein schwarz-weisser Plattenboden die Eingangshalle. Dieser ist auf vielen historischen Ausstellungsfotos zu sehen und ist dadurch heute noch ein Bestandteil des Hauses. Die Kunsthalle Bern versteht sich als dynamischer Ort, der sich bei jeder Ausstellung neu verwirklicht.

Passend zum Geburtstag

Für das 100-Jahr-Jubiläum der Kunsthalle Bern schlug das Künstlerpaar Lang/Baumann vor, den bestehenden Vorplatz seitlich zu erweitern. Sie entwarfen eine Konstruktion, die einerseits über dem Abgrund und um den riesigen Baum herum platziert ist und sich gleichzeitig formal an den Innenräumen der Kunsthalle orientiert. So bezieht sich die Silhouette der Bar beispielsweise auf den Grundriss des Hauptsaals mit den abgekanteten Ecken. Belegt werden sollte sie mit dem genau gleichen Muster, das ursprünglich den Eingang geprägt hatte. Lang/Baumann: «Es war für uns naheliegend, diese Freiluft-Bar mit echter Keramik auszukleiden. Anhand von Fotos und Plänen eruierten wir, dass es sich beim alten Belag um Platten von 15 x 15 cm gehandelt haben muss. Wir nahmen Kontakt auf mit Blatter AG, Bern, und sie schlugen uns Platten der französischen Firma Winckelmans vor. Diese gefielen uns sofort. Im Süden finden sich ja oft mit Keramik ausgelegte Aussenplätze und Terrassen. Diese Anspielung gefiel uns auch sehr gut.»

Möglichst nach dem Original

Auf die Frage, wie sie mit dem Material Keramik arbeiteten, antworten Lang/Baumann: «Wir wollten recht genau ans Original herankommen. Die gesamte Form der Bar ist so gestaltet, dass sie mit dem 15 x 15 cm Raster präzise korrespondiert. Wir konnten folglich ausschliesslich ganze Platten verwenden.» Es ist nicht das erste Mal, dass Lang/Baumann dieses Material einsetzen im «Hotel Everland» auf der Arteplage Yverdon an der Expo.02 hatten sie bereits mit Keramik gearbeitet, auch damals mit Blatter AG, Bern. Seither sind sie von den Eigenschaften des Materials begeistert: «Das Tolle ist natürlich, dass Keramik ein hartes, wetterbeständiges Material mit diversen Oberflächen, Farben und Glanzgraden ist.»

Nicht immer einfach

Bei der Realisierung der Idee galt es dann, einige Knacknüsse zu überwinden. «Zuallererst musste der Baum vermessen werden, was gar nicht so einfach ist! Aber uns war es wichtig, dass die grosse Linde mit den verzweigten Hauptästen, die wie mehrere Baumstämme dem Boden der Bar zu entwachsen scheinen, gut integriert ist. Danach mussten wir die Fundamente und die Unterkonstruktion zusammen mit dem Ingenieur festlegen.» Das Resultat ist eine Stahlrippenkonstruktion, die mit Holz beplankt und mit Keramik belegt wurde. Dann galt es, die Bar so zu planen, dass sie vorgängig gebaut werden konnte. Anschliessend wurde sie in mehreren Einzelteilen vor Ort transportiert und mit einem Kran versetzt.

Kompetent dank Vertrauen

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Fugenbreite: «Wir mussten alles genau festlegen, damit es ’aufging’.» Natürlich war auch die Rutschfestigkeit ein Thema, obwohl die Bar bei Regen nicht geöffnet sein sollte. «Aus unserer früheren Zusammenarbeit mit Blatter war ein grosses Vertrauen da, dass sie die richtigen Materialien kennen und zusätzlich auch wissen, welche ästhetischen Vorstellungen wir haben.»

Freude über Projekt

Die Rückmeldungen auf das ausserordentliche Werk waren durchwegs positiv. «Die Leute haben sich sehr gefreut, dass wir einen neuen Raum erschlossen haben an einem Ort, der vorher fast nicht wahrgenommen wurde. Viele schätzten es, draussen unter einem Baum sitzen zu können, aber doch von einem offenen Raum umgeben zu sein.» Die Reaktionen sind so positiv, dass das Provisorium «Kunsthalle Bar» verlängert wird. Wiedereröffnung ist im Frühling 2019! Weitere Infos unter www.langbaumann.com oder unter www.kunsthalle-bern.ch.

PD/KG

Zuger Woche vom Mittwoch, 1. Mai 2019, Seite 16 (6 Views)

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