E-Paper - 12. Juni 2019
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Nachhaltigkeit: Steter Tropfen höhlt den Stein

Von Barbara Gysel

Vor vielen Jahren erhielt sie den Landis & Gyr-Kulturpreis, ebenso den «Women’s Business Award» von der Hochschule Luzern für ihr hartnäckiges und langjähriges Engagement für fairen Handel: Ursula Brunner, die 92 Jahre alt wurde.

SP Ursula Brunner war eine der befreiungstheologisch motivierten Pionierinnen für fairen Handel und erste Frau im Thurgauer Kantonsrat für die FDP.

In den frühen 1970er Jahren verteilte die Tochter aus privilegiertem Haus in Frauenfeld mit Gleichgesinnten gratis Bananen; die beigelegte Zeitung machte auf die schwierigen Arbeitsbedingungen in Mittelamerika aufmerksam. Die «Bananenfrauen von Frauenfeld» forderten die Grossverteiler auf, die Früchte mit einem Aufpreis von 15 Rappen pro kg zugunsten eines Entwicklungsprojektes zu verkaufen. Die klipp-klare Antwort der Migros: «Wir sind keine Wohltätigkeitsorganisation.» Das hat sich mittlerweile geändert, die grossen Detailhändler traten den Wandel vom Saulus zum Paulus an. 2004 stellte Coop vollständig auf Max Havelaar-Bananen um; Migros wiederum löste das Versprechen ein, dass bis Ende 2017 alle Bananen nachhaltig seien. Der faire Handel befriedigt aber nach wie vor nicht alle.

So fand auch Ursula Brunner, Fair Trade sei ein statisches System geworden. Stattdessen solle er ein Prozess sein, den man immer wieder hinterfrage. Es geht nicht einfach um «Wohltaten», sondern um das Wohlergehen der Menschheit mit Klima- und Umweltschutz. Als Konsumierende können wir das im Alltag mit unserem Einkaufsverhalten zum Glück mitsteuern.

CSR steht für Corporate Social Responsability, wonach Unternehmungen soziale Verantwortung wahrnehmen sollen. Das kann ich aber auch bezeichnen als Consumer Social Responsability. Ursula Brunner hatte es mal so ausgedrückt: «Privilegiert sein bedeutet für mich die Verpflichtung, dass man sich für diejenigen einsetzt, die es weniger gut haben.»

Ich bin überzeugt, dass wir echte Nachhaltigkeit erreichen, wenn beide «C» funktionieren, also sowohl jenes von den Unternehmen als auch jenes der Konsumierenden. Sollte diese Verantwortung nicht wahrgenommen werden, ist eine entsprechende Rahmung von der Politik gefragt. www.sp-zug.ch 

Zuger Woche vom Mittwoch, 12. Juni 2019, Seite 10 (18 Views)

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