E-Paper - 12. Juni 2019
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Kanton Der aus einem der ältesten Ägerigeschlechter stammende Wolfgang Henggeler ist der eigentliche Gründer der Spinnereien Ägeri. Er war auch Mitbegründer der Spinnerei an der Lorze, Baar, der Weberei an der Lorze, Baar, und der Spinnerei Felsenau, Bern. Er wurde 1814 in der sogenannten Schmiede in Unterägeri geboren. Als gelernter Mühlebauer erwarb er sich in der Spinnerei Langnau genaue Kenntnisse von der Konstruktion und Arbeitsweise der Spinnereimaschinen. Zusammen mit seinem Bruder Alois Henggeler, der als Schmid tätig war, ihrem Onkel Johann Jakob Henggeler, der sein Vermögen in den Betrieb investierte, und ihrem Schwager Klemens Iten, Mühlen- und Sägereibesitzer, der Land und Wasserkraft zur Verfügung stellte, wurde der Grundstein zur ersten Textilfabrik im Kanton Zug gelegt.

1834

Im Jahre 1834 wurde mit dem ersten Fabrikbau begonnen, den wir heute «Altbau» nennen. Man kann noch heute am Altbau die ursprüngliche Form wahrnehmen. Der Bau betrug 20 m x 17 m. Nachdem die Fabrik unter Dach war, waren auch Geld und Kredit erschöpft. Den Ankauf der Maschinen ermöglichte Landamman Josef Henggeler auf Bethenbühl von Oberägeri durch ansehnliche Vorschüsse, sodass der Betrieb 1836 aufgenommen werden konnte. Es liefen 1200 Spindeln, angetrieben von einer Leistung des Wasserrades von 30 PS. Bei schlechtem und russigem Öllicht wurde Tag und Nacht ein rechtes Garn gesponnen. Der Warentransport zwischen Horgen und Ägeri erfolgte mit Hilfe von Pferdefuhrwerken auf einer Strasse, deren Zustand unter jeder Kritik war. Die Strasse führte wegen eines Felsens nur bis 100 m unterhalb der Fabrik.

1837

Die Gemeindeversammlung beschloss den Bau einer ordentlichen Strasse.

1838/1839

Die Spindelzahl wurde auf 3300 erhöht. Das Wasserrecht oberhalb der Säge wurde erworben und die Leistung auf 60 PS erhöht. Gleichzeitig wurde der Altbau auf beinahe das Doppelte erweitert so, wie sich der Bau noch heute präsentiert. Heinrich Schmid aus Gattikon trat in die Firma ein, die damit ihren Namen in «Schmid, Henggeler & Cie.» änderte; ein weiterer Schritt in der Geschichte der Zuger Spinnereien wurde gemacht.

1846

In diesem Jahr wurde von Meinrad Henggeler ein gleiches Unternehmen in Neuägeri gegründet. Es wurde ein Fabrikgebäude erstellt (das heutige Gewerbezentrum) und mit 10'300 Spindeln eingerichtet. Die Turbine lieferte eine Leistung von 90 PS. Der Lauf der Lorze wurde korrigiert und in Neuägeri einige Wohnhäuser für Angestellte und Arbeiter erstellt. Im gleichen Jahr wurde in Unterägeri mit dem Lorzenbau begonnen, um dort eine Weberei einzurichten. Doch stand die Weberei nicht unter einem guten Stern und nach einigen Jahren wurde nur noch Garn hergestellt.

1855

Das Hauptbüro wurde nach dem Handelszentrum Zürich > Seite 15 verlegt, weil es damals im Ägerital kein Telefon und keinen Telegrafen gab.

1857

Im Jahre 1857 wurde der sogenannte Seerechtsvertrag mit den Gemeinden Oberägeri und Unterägeri abgeschlossen. Das Lorzenbett wurde im Bereiche des heutigen Dorfes einen Meter tiefer gelegt und mit 0.7 Promille Gefälle der Wasserkraftanlage der Spinnerei zugeführt. Durch die Tieferlegung der Lorze wurde der Talgrund entsumpft, wodurch sich das Klima wesentlich verbesserte, wie der Dorfarzt anerkennend feststellte. Die alte Landstrasse folgt heute noch nicht dem Talgrund, sondern dem Hang entlang. Der Talgrund war versumpft. An einem Felsen an der Nas wurde eine Marke gesetzt. Bis zu dieser Marke darf auch noch heute der Ägerisee gestaut werden.

1860

Die Fusion der beiden Spinnereien kam am 15. März 1860 zustande.

1867

Bei beiden Spinnereien wurde Gasometeranlagen zum Zweck der besseren Beleuchtung der Spinnsäle gebaut. Der Gasometer in Neuägeri ist heute noch vorhanden.

1868

Mit Hilfe von Böhmischen Bergknappen wurde ein 18 Meter tiefer vertikaler Schacht bei der Inneren Spinnerei in Unterägeri in den Felsen getrieben. Am unteren Ende des Schachtes wurde die Turbine installiert. Über Transmissionsriemen wurden die Spinnmaschinen angetrieben. Vom unteren Ende des vertikalen Schachtes wurde im Felsen ein horizontaler, 630 m langer Stollen bis zum heutigen Restaurant Rössli in Neuägeri gebaut. Es dauerte fünf Jahre, bis die Wasserkraftanlage gebaut war, welches ein eindrückliches Werk aus dem Anfang der Industrialisierung darstellt.

1873

Die Spinnereien, bis anhin eine Kollektivgesellschaft, wurde am 3. November 1873 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

1877

Die initiative und segensreiche Tätigkeit des Gründers Wolfgang Henggeler nahm in seinem 63. Altersjahr ein vorzeitiges Ende. Als neuer Präsident wurde sein Sohn August Henggeler an die Spitze des Unternehmens berufen. In Neuägeri wurden ein eigenes Schullokal und ein Kindergarten zur Verfügung gestellt.

1884

Die Beleuchtung der beiden Spinnereien wurde von Gas auf elektrisch umgestellt.

1908

In Unterägeri wurde der Neubau erstellt, der sich in Schönheit der Ausführung, der einwandfreien Beleuchtung durch Fensterflächen, die 60 % der Fassade ausmachen und der grosszügigen Räume mit den modernsten Fabrikbauten seiner Zeit vergleichen lässt. Noch heute darf dieser Bau als modern bezeichnet werden. Damals bedeutete dieser Bau mit seinen elektrischen Transportanlagen, modernen Luftbefeuchtungs- und Heizungsanlagen einen gewaltigen Fortschritt für die regionale Industrie.

1913

Die elektrische Strassenbahn wurde erbaut, woran sich die jeweiligen Spinnereien mit Fr. 10'000.- beteiligten. Die Geleise auf den beiden Arealen wurden auf eigene Kosten erstellt.

1914/1920

Die Turbine in Neuägeri (äussere Spinnerei) wurde 1914 ersetzt und lieferte bei einem Gefälle von 14.3 Metern und 2200 Liter/Sekunde 340 PS. Die Turbine wurde 2014 ersetzt. Die Turbine in Unterägeri (innere Spinnerei) wurde 1919 durch eine bessere Neukonstruktion ersetzt, die bei einem Gefälle von 24 Metern und 2200 Liter/Sekunde 660 PS erzielte. Die Turbine ist heute noch im Betrieb.

1934

Die Weltwirtschaftskrise zwang die Geschäftsleitung der Generalversammlung, einen Vorschlag zur Bilanzsanierung zu unterbreiten. Das Aktienkapital von 2.5 Millionen Franken wurde um 40 % herabgesetzt, nachdem schon in früheren Jahren eine Reduktion von 20 % durchgeführt worden war. Am 9. September 1934 setzte sintflutartiger Regen ein, der das ganze Gebiet in Neuägeri unter Wasser setzte. Alle Maschinenräume der äusseren Spinnerei unter und zu ebener Erde waren überschwemmt und mit Schlamm gefüllt. Das ganze Lorzenufer wurde auf einer Länge von 600 Metern fortgerissen. Die Spinnereien waren wehrpflichtig. Es dauerte viele Jahre, bis sich die Firma von diesem Schaden erholt hatte.

1935

Die 52-Stundenwoche wurde eingeführt!

1937

Die Bank in Zug wurde liquidiert. Mit der Zuger Kantonalbank wurde eine neue Bankverbindung eingegangen.

1938

Aufgrund des schlechter gewordenen Geschäftsganges wurde die Arbeitszeit auf 43 Stunden pro Woche reduziert.

1946

Der Mangel an einheimischen Arbeitskräften erforderte die Anstellung von ausländischen Arbeiterinnen aus Österreich und Italien. Diese wurden in den sogenannten Mädchenheimen in Unterägeri und Neuägeri untergebracht und von den Menzinger Schwestern betreut.

1950

Die Gewerkschaften unterzeichneten als neue Partner den bestehenden Arbeitsvertrag zwischen der Unternehmung und der Arbeiterkommission.

1978/1979

Nachdem die Herstellung von Baumwoll- und anderen Garnen unrentabel wurde, beschloss die GV am 8. Dezember 1978 die Produktion von Garnen, also den eigentlichen Spinnereibetrieb, per 31. März 1979 zu schliessen. Die Unternehmung produzierte ab 1. April 1979 keine Garne mehr, aber es verblieben als Firmenteile der beachtliche Liegenschaftsbestand, die Bauschreinerei, die Architekturabteilung und die Wasserkraftanlagen für die Stromproduktion.

1981

Nach Umbau- und Erweiterungsarbeiten wurde der Neubau, der Altbau und das Direktorenhaus in Unterägeri an die Firma Camfil AG vermietet. Auf insgesamt 8500 m2 werden noch heute Filter produziert. Das Fabrikgebäude in Neuägeri wurde ebenfalls umgebaut und dient vielen Unternehmungen als Gewerbezentrum. Damit der Strom ans Netz der Wasserwerke Zug AG abgegeben werden konnte, musste die Wasserkraftanlage in Unterägeri erneuert und ein neuer Elin-Generator eingebaut werden.

1980 heute

Der Liegenschaftenbestand wurde durch die Erstellung von Überbauungen (wie beispielsweise im Mülirain und Waldheim in Unterägeri) und durch diverse Zukäufe wesentlich erweitert. PD/CI

(Quelle: www.sae-immobilien.ch)

Zuger Woche vom Mittwoch, 12. Juni 2019, Seite 15 (20 Views)

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