E-Paper - 12. Juni 2019
Zuger Woche
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Die Industrialisierung von Baar

Mit der Inbetriebnahme der Spinnerei Baar vor rund 164 Jahren entstand in der Zuger Gemeinde ein neues, lukratives Industriegebiet. Der Anfang einer Kultstory.

Geschichte Um die Geschichte der Spinnerei bei ihren Anfängen beginnen zu können, reisen wir in das Jahr 1854 zurück. Damals entstand mit der Inbetriebnahme der Baumwollspinnerei am Ostrand des damaligen Baarer Dorfes ein neues Industriegebiet direkt an der Lorze. Zeitweilig wurde die Fabrik zur grössten Baumwollspinnerei der Schweiz und mit ihr veränderte sich die gesamte gesellschaftliche, konfessionelle und wirtschaftliche Konstellation von Baar.

Ein engagierter Mann

Wolfgang Henggeler-Schmid begann 1846, nach der Entdeckung der einmaligen Lage in Baar, einen geheimen Plan der Spinnerei Baar auszuarbeiten. Somit war er beim Bau der Spinnerei Unterägeri, zehn Jahre später bei der Gründung und Einrichtung der Spinnerei Neuägeri und, kurz darauf, bei der Gründung der dritten und grössten Spinnerei in Zug involviert und trug so viel zum industriellen Umschwung bei.

Die Spinnerei bewegt

Mit dem Zuzug von Arbeitskräften wuchs auch die Zahl der in Baar lebenden Protestanten. Unter Mithilfe der Spinnerei wurde die reformierte Kirchgemeinde des Kantons Zug gegründet, welche bald darauf die ersterbaute reformierte Kirche in Zug einweihen konnte. Auch sonst hatte die Inbetriebnahme der Spinnerei Baar weitreichende Folgen, so Renato Moroscoli, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Staatsarchiv Zug: «Viele Arbeiterinnen und Arbeiter zogen nach Baar, dessen Bevölkerung zwischen 1850 und 1860 um zwei Fünftel wuchs. Die Zuwanderung löste einen enormen Bauboom aus, da die Nachfrage nach Wohnungen stark anstieg. Im Umkreis der Spinnerei, abseits des alten Dorfkerns, entstand ein neuer Ortsteil.» Dieser Bezirk bestand und besteht noch heute aus Kost- und Wohnhäusern, welche für die zugezogenen Arbeiter und das Kader der Spinnerei errichtet wurden.

Die Industrie boomt

Bis 1919 folgten weitere Unternehmen, welche teilweise direkt mit der Spinnerei Baar in Verbindung standen. So zum Beispiel Betriebe der Holzverarbeitung, Nahrungs- und Genussmittelproduktion, Metall- und Apparatebau sowie aus der Energiegewinnung. Mit diesem Zuschuss an Unternehmen wurde Baar mehr und mehr zu einer Industriegemeinde und wuchs sehr schnell zu einer Kleinstadt an.

Alles hat ein Ende

Ende der 1920er-Jahre geriet die Spinnerei in eine langanhaltende Absatzkrise. 1993 wurde der Betrieb schliesslich eingestellt. PD/CI

Zuger Woche vom Mittwoch, 12. Juni 2019, Seite 16 (14 Views)

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