E-Paper - 12. Juni 2019
Zuger Woche
E-Paper - Auswahl
E-Paper - Ansicht
 
 

Kanton Das Gebäude ist eingekleidet, die grosse Klosteruhr wurde abgenommen und die Kuppel erhielt bereits ein Notdach: Das Klosterinstitut der Schwestern vom Heiligen Kreuz in Menzingen tritt in eine neue Ära. Die immer kleiner werdende Ordensgemeinschaft orientiert sich in die Zukunft. Doch auch die anderen Klöster im Kanton Zug sind im Wandel.

Bezahlbare Wohnungen

Das Klosterinstitut in Menzingen wird seit September 2018 > Seite 3 fast komplett saniert. Das Bauprojekt soll sich nach den Vorstellungen der Schwestern zu einem lebendigen Ort entwickeln, wo sich Menschen unterschiedlichen Alters und sozialen Hintergründen begegnen, zusammen leben, arbeiten und beten. Es sind diverse Mietwohnungen geplant, die Einzelpersonen, Paaren und Familien eine gute, aber nicht luxuriöse Wohnqualität zu einem bezahlbaren Preis bieten sollen. Der Westtrakt dient als Rückzugsort für etwa 20 Schwestern, die dort nach den Umbauarbeiten einziehen werden.

Klostergemeinschaft im Wandel

Es stellt sich die Frage, wieso heute fast niemand mehr einem Kloster beitreten will? Dazu die Aussage von Schwester Ursula Maria Niedermann, aus Menzingen: «Unsere Gesellschaft hat sich sehr stark gewandelt. Kirche und Religion haben in unseren Breitengraden an Bedeutung verloren; religiöse Praxis ist vielfach nicht mehr präsent in den Familien. Es fehlen Bezüge zum Ordensleben, zudem gibt es heute sehr viele Möglichkeiten, sich auch als Laie sozial zu engagieren. Idealerweise geht man im Orden eine lebenslange Bindung ein, was heute nicht mehr üblich ist.» Es sei 14 Jahre her, seit die jüngste Schwester dem Klosterinstitut in Menzingen beitrat. Derzeit leben dort noch 138 Schwestern. Über die weitere Zukunft des Klosters an sich wollte man uns auf Anfrage keine Information erteilen.

Viele Schwestern verstorben

Wie sieht es in den anderen Klöstern im Kanton Zug aus? Seit 2013 sind im Kloster Frauenthal in Hagendorn neun Schwestern verstorben. Seither gab es keine Eintritte mehr. Derzeit leben dort gerade mal noch sieben Schwestern. Wobei zwei aus dem Tochterkloster aus Amerika stammen. Falls die Schweizer Nonnen aussterben, werde das Kloster vermutlich vom Orden selbst unterstützt oder auch von weiteren Glaubensschwestern aus Amerika. Man sei jedoch noch nicht in Endzeitstimmung, aber auf der Suche nach einer passenden Lösung, falls dies eintreffen würde, wie man uns erklärte.

Heiligkreuz Cham

Im Kloster Heiligkreuz in Cham leben und arbeiten derzeit noch über 60 Schwestern. Auch hier fehlt es an Nachwuchs, obwohl das Klosterleben derzeit noch sehr gut laufe. Es werden aber schon heute Szenarien für die weitere Zukunft entwickelt.

Kapuziner weggezogen

Die Kapuziner des Kapuzinerklosters St. Anna in Zug zogen aufgrund Nachwuchsmangels schon 1997 aus dem Kloster weg. Dafür übernahm die Gemeinschaft der Seligpreisungen im Jahr 2000 den Ort und belebt nun das Kloster durch ihr Gebetsleben und verschiedene geistliche Angebote.

Gastschwester unterstützt

Im Kloster Maria Opferung in der Stadt Zug leben seit 2016 gerade mal noch fünf Ordensschwestern gemeinsam mit einer Gastschwester aus einem anderen Kapuzinerinnenkloster. Auch hier sind die Nachfolgeprobleme zu spüren. Leider wollte man uns auf Anfrage hin nicht sagen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen.

Grosses Kapuzinerkloster

17 Schwestern leben noch im Kloster Maria Hilf auf dem Gubel bei Menzingen. Das Kapuzinerinnenkloster ist eines der Grössten in der ganzen Schweiz. Leider waren die Nonnen auch hier sehr zugeknüpft, als wir sie auf ihre mögliche Zukunft ansprachen.

Fazit

Es ist hinlänglich bekannt, dass praktisch alle Klöster in der Schweiz mit Nachwuchsproblemen kämpfen. Das liegt sicher auch daran, dass sich die Zeiten geändert haben. Aber vielleicht eben auch an der zugeknöpften Art, die auch wir vielerorts zu spüren bekamen. Die Schwestern wollen unter sich bleiben, sich nicht in die Karten blicken lassen und stellenweise hat man vielleicht auch Probleme damit, alte Strukturen aufzubrechen, sich von Althergebrachtem zu lösen oder sich von Besitztümern zu trennen. Oder man hat schlicht und einfach Angst vor der Zukunft. Doch Angst ist in diesem Fall ein schlechter Ratgeber. Wir denken, es wäre an der Zeit, dass etliche Glaubensgemeinschaften sich der Neuzeit nicht nur hinter den Mauern anpassen, sondern eben auch nach aussen. Das Ende ist nah und es dauert nicht mehr so lange wie es schon gedauert hat. DK

redaktion@zugerwoche.ch

Zuger Woche vom Mittwoch, 12. Juni 2019, Seite 3 (17 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE

 
 

<   Juni   >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
          1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30