E-Paper - 20. November 2019
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Schutz der Zuger Kulturgüter

Von Kristina Gysi

Am 24. November entscheidet das Zuger Stimmvolk über die Annahme oder die Ablehnung des revidierten Denkmalschutzgesetzes. Welche Änderungen würde die Annahme des neuen Gesetzes bringen? Was spricht dafür; was dagegen? Wir berichten.

Kanton 1991 trat das Zuger Denkmalschutzgesetz in Kraft, welches den Umgang mit Denkmalpflege, Archäologie und Kulturgüterschutz regelt. Nun soll dieses Gesetz im Zuge der Abstimmung vom 24. November erneuert werden. Eine entsprechende Vorlage wurde vom Regierungsrat vorgelegt und vom Kantonsrat angenommen. Das Zünglein an der Waage ist somit das Zuger Stimmvolk. Aber worum geht es eigentlich genau? Erfahren Sie es hier.

Was gilt als Denkmal?

Um die folgenden Erläuterungen zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, wie das Wort «Denkmal» generell definiert wird. Die Direktion des Innern hat zu Beginn dieses Jahres in Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege und Archäologie eine allgemeine Erklärung der Inventar- und Schutzobjekte im Kanton Zug ausgearbeitet. Laut diesem handelt es sich bei Denkmälern um Gebäude und andere Objekte, die als Zeugen einer vergangenen Epoche dienen sowie positive und negative Ereignisse widerspiegeln und an diese erinnern. Ebenfalls sind Denkmäler Zeugnisse jeglichen menschlichen Wirkens, sei dies in historischen, künstlerischen, sozialen oder technischen Belangen. Damit ein Gebäude oder ein anderes Objekt als ein ebensolcher «Zeuge» deklariert werden kann, ist eine «authentische Überlieferung» erforderlich. Heisst: Im Objekt > Seite 4 muss die originale Materialität erhalten bleiben. So darf zum Beispiel der ursprüngliche Holzboden eines alten Hauses nicht durch einen Betonboden ersetzt werden, sondern muss aus demselben Material bestehen wie sein Vorgänger.

Tiefgreifende Anpassungen

Aufgrund der sich ständig entwickelnden Strukturen, ändernden Interessen und einer stetigen Verdichtung entschied sich die Zuger Regierung für eine Revision des bestehenden Denkmalschutzgesetzes. Die vorgeschlagenen Anpassungen sind erheblich. So sieht das revidierte Gesetz vor, dass neu ein «äusserst hoher» Wert anstatt wie bisher ein «sehr hoher» Wert aufgewiesen werden muss, damit der Kanton ein Denkmal unter betreffenden Schutz stellen kann. Demzufolge würde es mit Annahme der Gesetzesrevision schwieriger werden, Gebäude und Objekte mit Traditionswert zu schützen. Ein Dorn im der Auge Revisionsgegner: Bereits jetzt seien nur 2.2 Prozent der Häuser im Kanton denkmalgeschützt der Schweizer Schnitt liegt bei 3.5 Prozent.

Kontakt mit Kantonalamt

Regierungsrat Andreas Hostettler nahm im Namen des Kantonalen Amtes für Denkmalpflege und Archäologie Stellung zu von uns gestellten Fragen. So teilte er mit, dass sich die Fachmeinung der Mitarbeiter des Kantonalamts nicht in allen Fällen mit jenen der politischen Steuerung decke. Fest stehe jedoch, dass mit Annahme der Gesetzesrevision spürbare Konsequenzen auf Baudenkmäler folgen würden. Das Amt für Denkmalpflege und Archäologie müsse zahlreiche neue Verfahren schaffen bzw. anpassen; so zum Beispiel die Abschaffung der Denkmalkommission oder die Änderung der Beiträge an Restaurierungen. Das Amt rechne bei einer Annahme der Gesetzesänderung mit einer massiven Zunahme der Arbeit in den ersten Jahren.

Angriff auf Heimat und Identität

Zwei Komitees machen sich momentan für ihre Anliegen stark. Im Namen des Nein-Komitees, welches sich gegen die Annahme des revidierten Denkmalschutzgesetzes engagiert, äussert sich Thomas Baggenstos wie folgt: «Baudenkmäler gehören zu unserem kulturellen Erbe und lassen uns Geschichte verständlich erleben. Setzen wir dies nicht mit einem schlechten Gesetz aufs Spiel und wehren wir den Angriff auf Heimat und Identität ab.»

Mehr Mitspracherecht

Peter Letter, FDP-Politiker und Kantonsrat, unterstützt das Komitee zur Annahme der Gesetzesrevision mit folgenden Worten: «Ich stimme Ja zum neuen Denkmalschutzgesetz, weil auch Anliegen der betroffenen Gemeinden und Eigentümer respektiert werden.» Gemeint ist damit eine Anpassung im revidierten Gesetz, welche vorsieht, dass der Kanton in Zukunft dazu verpflichtet ist; «die Standortgemeinde und die Eigentümerschaft vor der Aufnahme eines Objekts ins Inventar der schützenswerten Denkmäler zur Stellungnahme einzuladen.»

Fazit

Ein Privileg, das viele Menschen nicht kennen, wird in der Schweiz gerne als selbstverständlich angesehen: Das Mitspracherecht in politischen Belangen. Was liegt Ihnen in Sachen Denkmalschutz am Herzen? Reden Sie mit! Noch bis zum 24. November haben Sie die Chance, Ihre Meinung kundzutun und eine entscheidende Rolle in der Debatte um das Zuger Denkmalschutzgesetz zu spielen. Stimmen Sie ab!

redaktion@zugerwoche.ch

Zuger Woche vom Mittwoch, 20. November 2019, Seite 1 (6 Views)

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