E-Paper - 20. Mai 2020
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Zeitgeist

EU-Einbahnverkehr

Von Dany Kammüller

In der Krise ist sich jeder selbst der Nächste, so steht es geschrieben. Allen voran die liebe Europäische Union (EU). Dazu ein Beispiel aus unserer Region.

Ein Baarer Geschäftsmann *(Name der Redaktion bekannt) bestellte bei einem Unternehmen in Deutschland (BRD) noch vor dem grossen «Lock Down» 25 Stück Mund-Nasen-Masken, aus Baumwolle, mehrlagig plus 25 Ersatzfilter im Wert von rund 400 Euro, die er auch umgehend bezahlte. Ein wenig später erhielt er ein Schreiben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aus der BRD, in dem man ihn auf folgenden Sachverhalt hinwies (Kurzfassung): Die Waren können leider nicht ausgeliefert werden, sie wurden vom Deutschen Zoll beschlagnahmt. Begründung: «Die Deckung des Bedarfs mit den genannten Gütern ist für die Aufrechterhaltung eines funktionierenden Gesundheitssystems in der BRD unerlässlich.»

Dazu noch eine Portion Beamtendeutsch, Hinweise und diesen und jenen Paragrafen, sowie die Arbeitsweise der EU. Und am Ende steht da noch lapidar: Gegen diese Anordnung kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Klage erhoben werden beim Verwaltungsgericht in Berlin. Der Baarer Geschäftsmann wartet noch heute auf seine bestellten und bereits bezahlten Waren. Nett, echt nett! Das zum Thema brüderliche Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der EU. Die bilateralen Verträge und das nach wie vor anstehende Rahmenabkommen lassen grüssen.

Und apropos Rahmenabkommen, es stellt sich die Frage ob sich der Schweizer Bundesrat, der in der Corona-Krise von vielen so hochgejubelt wurde, für die Problemchen der eigenen Bürger auch wirklich interessiert? Man muss ja schliesslich das grosse Ganze sehen und kann sich nicht mit so kleinen Eventualitäten wie 25 Schutzmasken aufhalten. Da kann ja jeder kommen. Zudem will ja auch der eine oder andere Politiker in den Geschichtsbüchern einen bleibenden Eindruck hinterlassen, und zwar viel lieber als Förderer statt als Verhinderer. Und so ist sich dann am Ende auch in der Politik jeder selbst der Nächste. «Wohl bekomms»...

redaktion@zugerwoche.ch

Zuger Woche vom Mittwoch, 20. Mai 2020, Seite 3 (7 Views)

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